← Reisenotizbuch

Ankunft auf Korfu

Die Insel, die die Osmanen nie erobert haben

Korfu war unsere erste Station und ein guter Ort, um das Auge einzustellen: Die Altstadt wirkt italienisch, bevor sie griechisch wirkt. Das ist kein Zufall. Venedig hielt die Insel rund vier Jahrhunderte lang, von 1386 bis zum Ende der Republik 1797, und die Osmanen, die in dieser Weltgegend fast alles andere eroberten, haben die befestigte Stadt Korfu nie eingenommen.

Zwei Belagerungen

Die Osmanen versuchten es mehrmals ernsthaft, am bekanntesten 1537 und noch einmal 1716. An die zweite Belagerung erinnert man sich auf Korfu bis heute. Osmanische Truppen landeten und besetzten große Teile der Insel, doch die venezianische Garnison unter dem aus Deutschland stammenden Feldmarschall Johann Matthias von der Schulenburg hielt die Stadt sechs Wochen lang. Nach einem letzten gescheiterten Sturmangriff brach ein schweres Unwetter los, und die Osmanen zogen ab. Den Hauptgrund sehen Historiker allerdings anderswo: Ihr Heer war gerade bei Peterwardein geschlagen worden und wurde im Norden gebraucht.

Die Inselbewohner schrieben die Rettung ihrem Schutzheiligen Spyridon zu. Seine Reliquien liegen bis heute in der nach ihm benannten Kirche in der Altstadt und werden mehrmals im Jahr in einer Prozession durch die Straßen getragen; die Prozession am 11. August erinnert an 1716.

Schichten an der Uferpromenade

Nach Venedig kamen die Franzosen, dann ein russisch-osmanisches Protektorat, wieder die Franzosen und schließlich die Briten, die die Ionischen Inseln 1864 an Griechenland übergaben. Jeder hinterließ etwas. Das Liston, die Arkadenpromenade an der Spianada, wurde 1807 unter französischer Herrschaft gebaut, inspiriert von der Rue de Rivoli in Paris. Die Briten hinterließen das Cricket, das auf demselben Platz noch immer gespielt wird.

Eine Frau im blauen Kleid sitzt auf der steinernen Ufermauer in Korfu-Stadt, dahinter Boote und die Berge des Festlands
Auf der Ufermauer in Korfu-Stadt, gegenüber die Berge des Festlands.
Feldnotiz

Von der Ufermauer blickt man über die Meerenge zum Festland: auf dieselben Berge von Epirus, durch die wir ein paar Tage später fahren sollten.